1797 – Goethe reist durch Sprendlingen

Am 1. August 1797 verewigte Goethe das Dorf Sprendlingen in seinem Tagebuch, und zwar naturwissenschaftlich und sozial. In seinen Notizen „Aus einer Reise in die Schweiz“ finden wir: „Auf der Chaussee von Sprendlingen bis Langen findet sich viel Basalt, der sehr häufig in dieser flach erhobenen Gegend krachen muss; weiterhin sandiges flaches Land, viel Feldbau aber mager. Ich sah seit Neapel zum ersten Mal wieder Kinder Pferdeexkremente in Körbchen sammeln!“

1844 – Ein Feuerlöscheimer: drei Gulden – keine Feuerwehr

Bis 1844 mussten Neubürger Sprendlingens offenbar einen Feuerlöscheimer auf eigene Kosten beschaffen. Danach übernahm die Gemeinde die Beschaffung. Die Kosten, in Höhe von drei Gulden, mussten die Bürger aber weiterhin selbst tragen. Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 1800 Einwohner.

1875 – Großbrand – keine Feuerwehr

Nachdem im Jahre 1875 bei einem Brand wegen unzureichender Löschmaßnahmen ein Wohnhaus und eine Scheune abgebrannt sind, fassten einige Sprendlingen den Gedanken eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in den Nachbargemeinden bereits ähnliche Überlegungen und darauf auch Gründungen von Feuerwehren. 

1879 – Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Sprendlingen

Die Freiwillige Feuerwehr Sprendlingen wurde am 14.03.1879 gegründet. Acht junge Männer fanden sich damals in einem Gasthaus zur Gründung der Feuerwehr ein: Georg Orth I., Georg Adam Schäfer, Christian Schäfer IV., Wilhelm Hofmann, Friedrich Müller, David Störmer, Jakob Dreieicher und Georg Krämer III. – der auch zugleich zum 1. Kommandanten der Feuerwehr Sprendlingen gewählt wurde und dieses Amt bis 1922 bekleidete.

Sprendlingen hatte zu dieser Zeit knapp 2.500 Einwohner. Es waren einige Handwerksbetriebe, kleine Landwirtschaften, eine Holzhandlung und zwei Fabriken angesiedelt.

Die erste Unterkunft der Feuerwehr war die „Betzenkammer“ am Lindenplatz, die zu dieser Zeit gleichzeitig auch als Ortsgefängnis diente. Hier wurden damals die ersten Ausrüstungsgegenstände untergebracht: es handelte sich um eine handbedienbare Druckspritze und einige Löscheimer.

1890 – Bezug des ersten Feuerwehrgerätehauses

Im Jahr 1890 konnte die Feuerwehr ihr erstes Gerätehaus in der Eisenbahnstraße beziehen, nachdem in den vergangenen Jahren die Ausrüstung ständig erweitert wurde.

1891 – Aufregung wegen eines Ausflugs an Himmelfahrt

1891 beschwerte sich Pfarrer Scriba über einen Ausflug der Freiwilligen Feuerwehr am Himmelfahrtstag. An diesem Tag feiern wir heute noch den „Tag der Feuerwehr“.

1903 – Der Bürgermeister Sprendlingens verfügt auf Grundlage der „Kreisfeuerlöschordnung“, dass Pferdebesitzer bei Übungen und Bränden „unentgeltlich Wasser herbeizufahren“ haben.

1904 – 25 jähriges Jubiläum

1907 wurde in Sprendlingen mit dem Aufbau eines Wasserleitungsnetzes begonnen, was die Wasserentnahme bei Bränden und zur Trinkwasserversorgung erleichtern sollte. Bereits in den 20er Jahren konnte eine halb mechanische 10 Meter Leiter in Dienst gestellt werden, die einen schnelleren Aufstieg in obere Gebäudeteile und auf Dächer ermöglichte.

Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 5100 Einwohner

1914 – 1918 Erster Weltkrieg

1929 – 50 jähriges Jubiläum

Das 50-jährige Jubiläum wurde mit einem großen Fest und einem Umzug begangen.

Bürger finanzieren Feuerwehrausrüstung vor

1929 – zog langsam der technische Fortschritt ein. Es wurde eine 15 Meter Leiter angeschafft. Da allerdings die Gemeinde nicht genügend Geld zur Verfügung hatte, streckte der damalige Kommandant, Bäckermeister Georg Adam Neubecker, das Geld vor. Die Verwaltung zahlte das Geld in Raten zurück.

1932 kam zur Brandbekämpfung eine moderne 800 Liter Motorspritze von Metz dazu. Auch hierbei gab es seitens der Gemeinde wieder Zahlungsprobleme und die Feuerwehr bezuschusste die Anschaffung mit dem Geld aus dem Festerlös von 1929.

1936 wurde, in Eigenleistung, ein Mercedes PKW zu einem Feuerwehrfahrzeug umgebaut und zusammen mit einem Tragkraftspritzenanhänger in einer Garage im damaligen Rathaushof untergestellt.

1937 – Philipp Schäfer, genannt „Bombe Philipp“ (Pumpen Philipp), wird in das Amt des Kommandanten gewählt, welches er bis zu seinem Tod im Mai 1958 ausübte. 

1939 – 1945 – Zweiter Weltkrieg

In den Jahren 1939 bis 1945 wurde die Feuerwehr in Feuerschutzpolizei umbenannt, die Fahrzeuge mussten grün umlackiert werden.

10. November 1938 – nach der sogenannten “Reichskristallnacht“, wurde von den Nazis auch die Sprendlinger Synagoge in Brand gesteckt. Die Feuerwehr war vor Ort, durfte aber nicht löschen. Lediglich die umliegenden Häuser durften geschützt werden.

1939 – Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 8150 Einwohner.

1940 – 1944 – auch Sprendlingen war immer wieder Ziel alliierter Fliegerangriffe. Im Archiv von Arno Baumbusch finden sich hierzu einige historische Fotoaufnahmen, auf denen zum Teil auch die Feuerwehr Sprendlingen zu sehen ist.

Herbst 1943 – Nachts wurde ein viermotoriger Bomber der britischen Luftwaffe über Sprendlingen abgeschossen. Die Feuerwehr musste bei der Suche nach der Besatzung helfen. Fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Drei Besatzungsmitglieder wurden lebend gefunden. Ihr Überleben verdanken sie dem damaligen Feuerwehrkommandanten Georg Luft; er verhinderte Lynchjustiz.

März 1944 – neben anderen Gebäuden wurde auch das damalige Feuerwehrhaus – in der heutigen Eisenbahnstraße – bei Fliegerangriffen beschädigt.

1944 – im Lacheweg – dort wo sich heute der Friedhof befindet – stürzte ein deutsches Jagdflugzeug ab. Trotz „Fliegeralarmes“ kümmerte sich die Feuerwehr um die Rettung des Piloten.

Nach Bombenangriffen wurde die Feuerwehr Sprendlingen auch in den Nachbargemeinden zur Unterstützung eingesetzt.

1946 – Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 9160 Einwohner.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, wurde durch den damaligen Landrat Heil und mit großer Unterstützung von Georg Luft die Feuerwehr „neu aufgebaut.“ 

Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Heil wurde 1948 beschlossen das Gebäude hinter dem Gasthaus zur Krone zu einem Feuerwehrgerätehaus mit fünf Wohnungen umzubauen. Dies waren die ersten neu geschaffenen Wohnungen nach dem Krieg. 

Der erste Kreisfeuerwehrtag nach dem Krieg wurde in Sprendlingen gefeiert und im gleichen Jahr wurden eine 17 Meter-Drehleiter, sowie ein gebrauchtes LF 15 in Dienst gestellt. Die 17 Meter-Drehleiter war aus einem, aus Beständen der US Army, gebraucht erworbenen GMC Fahrgestell, sowie einem ebenfalls gebrauchten Magirus-Leiterpark, in Eigenleistung aufgebaut worden. 

1950 – Umzug in die Schulstraße

Am 14.05.1950 dann konnte das Feuerwehrgerätehaus in der Schulstraße bezogen werden. Dies geschah in Anwesenheit der Herren Landrat Heil, Bürgermeister Ebert sowie Kreisbrandinspektor Leichter. 

In Sprendlingen wohnen zu dieser Zeit ca. 10.000 Einwohner.

1954 – 75 jähriges Jubiläum

Um den Anforderungen an den Brandschutz in der ständig wachsenden Stadt Sprendlingen gerecht zu werden, wurde am 03.08.1957 ein neues Magirus Tanklöschfahrzeug beschafft. In dieser Zeit machte sich Georg Luft erstmals Gedanken über eine Schülerfeuerwehr – letztlich war es aber erst 1962 soweit.

Bis 1959 musste die Feuerwehr Sprendlingen auch in Buchschlag unterstützen – dort gab es seit Ende des 2. Weltkrieges noch kein eigenes Feuerwehrfahrzeug.

Das Feuerwehrhaus wurde bereits 1960 um einen Anbau mit zwei Garagen und einem Unterrichtsraum erweitert. In diesem Jahr wurde ein neues LF 8 von der Fa. Metz, Karlsruhe beschafft. Sprendlingen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 16.000 Einwohner.

1961 wurde Georg Adam Schäfer zum Ortsbrandmeister gewählt. Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 16.600 Einwohner.

1962 – Gründung der Jugendfeuerwehr

16.7.1962 – Gründung der Jugendfeuerwehr mit 4 Mitgliedern. Bis zum Jahresende war die Nachwuchsorganisation der Feuerwehr bereits auf 17 Mitglieder angewachsen.

1964 – Installation einer Rundsteueranlage zur Alarmierung der Feuerwehrleute. Im selben Jahr wurde ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 16 angeschafft.

1965 – Beschaffung einer 30 Meter Drehleiter. Bedingt dadurch musste ein weiterer Hallentrakt errichtet werden.

August 1966 – Kreisjugendfeuerwehrtag in Sprendlingen

1968 – Brand des Rathauses Buchschlag

9.11.1968 – Einer der größten Einsätze der Nachkriegszeit ereignete sich beim Brand des Kaufhauses „DEKAPE“ in der Hauptstraße. Im selben Jahr wird Georg Adam Schäfer zum Kreisbrandinspektor des Kreises Offenbach gewählt.

1970 – Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 22.800 Einwohner

1971 – Interkommunale Beschaffung Rüstwagen

Die zehn Städte und Gemeinden des Westkreises Offenbach beschafften 1971 gemeinsam einen Rüstwagen 3 und stationierten das Fahrzeug in Sprendlingen.

1973 – Erweiterung des Feuerwehrhauses um einem Unterrichtsraum. Kurt Neumann wird im selben Jahr zum Stadtbrandinspektor gewählt. 

1976 – Das erste in Hessen in Dienst gestellte LF 16 auf Mercedes Frontlenkerfahrgestell geht nach Sprendlingen.

1977 – Gründung der Stadt Dreieich

1977 – Hessische Gebietsreform – Gründung der Stadt Dreieich. Wahl von Georg Adam Schäfer zum Stadtbrandinspektor.  Beschaffung des ersten hydraulischen Spreiz- und Schneidgerätes.

1977 – Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 21.300 Einwohner.

1979 – 100 Jahre Feuerwehr Sprendlingen

Der 73. Kreisfeuerwehrtag wurde 1979 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Feuerwehr in Sprendlingen gefeiert.

1980 – Einstellung der ersten hauptamtlichen Kräfte

1980 – Die Einstellung der ersten hauptamtlichen Kräfte (drei Personen) erfordert wieder einmal bauliche Veränderungen am Feuerwehrhaus.

1981 – „Land unter“ in Sprendlingen

1981 – Nach sehr starken Regenfällen kommt es zu einer großen Anzahl von Einsätzen, die sich teilweise über mehrere Tage erstreckten. (Filmaufnahmen aus dieser Zeit)

Oktober 1981 – Beschaffung eines Tanklöschfahrzeugs 24/50

1987 – 25 Jahre Jugendfeuerwehr

1988 – Beschaffung eines TLF 16 und einer Drehleiter DLK 23/12.

1990 – Die Orkane „Wiebke“ und „Vivien“ sorgten für eine Vielzahl von Einsätzen.

1991 – Beschaffung eines RW 2-Kran, sowie neuer Schutzkleidung.

25.02.1992 – Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung zum Neubau eines Feuerwehrhauses an der Hainer Chaussee.

1994 – Spatenstich für den Neubau an der Heiner Chaussee

1996 – Umzug an die Hainer Chaussee

4.7.1996 – Übergabe und Einweihung der neuen Feuerwache „Am Trauben 23“

1997 – Beschaffung eines Kleinlöschfahrzeugs.

2000 – Einführung des Einsatzleitdienstes, damit rund um die Uhr qualifizierte Führungskräfte zur Verfügung stehen.

2012 – Dreieich-Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 20.400 Einwohner.

2016 – Dreieich-Sprendlingen hat zu dieser Zeit ca. 21.500 Einwohner.

2017 – zweiter Feuerwehrstandort in Sprendlingen

18.5.2017 – Der zweite Feuerwehrstandort in Sprendlingen – die Wache Nord in der Maybachstraße – wird in Betrieb genommen. Grund sind die gesetzlichen Vorgaben zur Einhaltung einer Hilfsfrist von 10 Minuten, ab Alarmierung der Feuerwehr über den Notruf 112.

2019 – tagelange Arbeit nach schwerem Unwetter

18.8.2019 – Ein schweres Unwetter sorgte für erhebliche Schäden in der Stadt und in der Natur, betroffen ist aber der gesamte Landkreis Offenbach. Alle Feuerwehren waren mehrere Tage lang im Einsatz. Erst drei Tage nach dem Durchzug einer sogenannten Fallböe aus einer Gewitter-Superzelle, konnte die Bundesstraße B486 zwischen Offenthal und Langen wieder frei gegeben werden. Hier waren zahlreiche Bäume und – die über die Bundesstraße verlaufende – Hochspannungsleitung zusammengebrochen und auf ein Auto gestürzt. Es kam zu Stromausfällen in mehreren Stadtteilen, der Bahnverkehr im Bereich Regional- und S-Bahnen war unterbrochen, Menschen saßen in ihren Autos fest. In Dreieich mussten über 200 Einsätze abgearbeitet werden. Im Kreis Offenbach gab es mehr als 1300 Einsätze, mehr als 80 Verletzte und Millionenschäden.


Von 1879 bis zum heutigen Tage hat sich die Freiwillige Feuerwehr Dreieich-Sprendlingen ständig weiterentwickelt. Anfangs nur zur Bekämpfung von Bränden gegründet, entwickelte sie sich zu einer – heute mit modernster Technik ausgestatteten – Feuerwehr, die das gesamte Spektrum von der technischen Hilfeleistung bis zur Brandbekämpfung beherrscht.

Wir retten und schützen – freiwillig – ehrenamtlich!


Diese Chronik wurde erstellt von Uwe Zeißler, Sascha Bernhard und Jürgen Becker. Überarbeitet und ergänzt von Michael Perrot.

Bitte besuchen Sie auch die Webseite der Freunde Sprendlingens, dort finden sich weitere historische Dokumente zu Begebenheiten mit Bezug zur Feuerwehr.

Wir danken den Freunden Sprendlingens für die Unterstützung!